Welt der Düfte und des Riechens
April 23, 2009 on 9:51 am | In Gesundheit | wong it! | Keine KommentareDüfte sind unverwechselbar. Düfte können zum Beispiel Kindheitserinnerungen wecken, Appetit machen oder Ekel erregen. Sie können Gefühle auslösen. Je nach Geruch können das vielleicht Freude oder Angst sein. Sie können Wohlgefühl bewirken oder als harmonisierend und entspannend empfunden werden. Der Mensch ist in der Lage, rund 10000 Gerüche zu unterscheiden.
Dagegen ist unser Geschmackssinn, der gerade mal fünf Geschmacksrichtungen unterscheiden kann, ziemlich unterentwickelt. Unsere Zunge kann nur zwischen süß, salzig, sauer, bitter und umami (das kommt aus dem Japanischen und kann mit „fleischig“ übersetzt werden) unterscheiden. Unsere Nase spielt daher auch beim Essen eine große Rolle, denn die meisten Geschmackskomponenten einer Speise nehmen wir über den Geruch auf.
Ein starker Schnupfen kann einem deshalb den Geschmack einer leckeren Mahlzeit ganz schön vermiesen. Gerüche sind sehr komplizierte Gemische, bestehend aus manchmal mehreren hunderten oder gar tausenden chemischen Molekülen. Aber meistens reichen einige wenige Leitsubstanzen bereits aus, um einen Geruch zu erkennen.
Doch wie funktioniert das Riechen?
Ein Duft gelangt als erstes auf die Riechschleimhaut, ganz oben in der Nasenhöhle. Hier sitzen die Riechzellen, von denen jeder Mensch ungefähr drei Millionen besitzt. Jeder dieser Riechzellen ist auf einen bestimmten Duft spezialisiert.
So werden zum Beispiel beim Schnuppern an einer Rose nur die Zellen aktiviert, die für den Rosenduft relevant sind, alle anderen reagieren nicht. Der Duft gelangt an die Rezeptoren der entsprechenden Riechzellen, dort wird ein elektrischer Impuls ausgelöst. Über lange Fortsätze, die so genannten Axonen, wird dieser direkt an den Riechkolben weitergeleitet. Der Riechkolben ist eine Anschwellung an der vorderen Basis des Gehirns, oberhalb der Nasenwurzel. Eine Schaltstation im Riechkolben, die Glomeruli, bewirkt eine Bündelung der Signale aus den Riechsinneszellen. Sie werden direkt an die Geruchszentren des Großhirnes geschickt. Erst jetzt wird ein Geruch bewusst wahrgenommen.
Manche Gerüche, zum Beispiel der von verrottendem Fleisch, wirken sicherlich von Natur aus abstoßend auf den Menschen. Doch die Vorliebe oder Abneigung für einen Geruch ist keineswegs angeboren, sondern abhängig von der Erfahrung, die wir mit ihm gemacht haben. So ruft der Duft eines bestimmten Parfums vielleicht schöne Erinnerungen an die erste große Liebe hervor.
Oftmals gibt es große kulturelle oder zeitgeschichtliche Unterschiede zum positiven oder negativem Empfinden eines Geruches. Starke Körpergerüche zum Beispiel waren jahrhundertelang ein Synonym für Gesundheit und Erotik, heute gelten sie in unseren Breiten gemeinhin als sehr abstoßend.
Daher gibt es für die Beduftung des menschlichen Körpers inzwischen auch unzählige Pflegeprodukte, vom Parfum bis zum Eau de Toilette, vom After Shave bis zum Deodorant. Für die Herstellung eines Parfums werden in Alkohol gelöste pflanzliche, tierische oder chemische Duftstoffe zu einzigartigen Duftkreationen vermischt.
Bis Anfang des 20. Jahrhunderts war dieses Handwerk allein den Parfumeuren vorbehalten, doch seit 1910 werden schöne Düfte immer wieder auch von Modedesignern entwickelt. Das Angebot ist mittlerweile riesig: Dior, Dolce and Gabbana oder Chloé, Prada, Calvin Klein, Joop oder Hugo Boss Parfum zum Beispiel, wohl fast jeder namhafte Designer hat auch zumindest ein wohlriechendes Duftwässerchen in seinem Angebot.
Was wäre nur unsere Welt ohne Düfte?
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